Politik muss über den Tellerand blicken

David Wade gehört mit seinen 27 Jahren zur jungen Garde der Kommunalpolitiker. Seit 2016 zählt er zur Gemeindevertretung, hat ein Jahr später den Vorsitz der Grävenwiesbacher SPD übernommen und engagiert sich seit 2019 im Haupt- und Finanzausschuss. Er steht nicht nur auf Platz eins der SPD-Liste zur Kommunalwahl 2021 in Grävenwiesbach, er kandidiert auch für den Kreistag (Platz 17; SPD-Liste).

TZ-Mitarbeiterin Monika Schwarz-Cromm fragte nach seinen politischen Zielen.
erschienen in der Usinger Neue Presse – Lokales – am 9. März 2021

Dies ist die ungekürzte Fassung des Interviews.
Den Artikel, wie er in der TZ/UNP erschienen ist, finden Sie hier:
TZ_Politik_muss_ueber_den_Tellerrand_blicken.

Sie waren gerade mal 22 Jahre alt, als Sie in die Gemeindevertretung gewählt wurden. Nur ein Jahr später übernahmen sie schon das Amt des SPD-Vorsitzenden. Ziemlich viel Verantwortung, oder?

DAVID WADE: Ich habe 2017 in einer für die Bundes-SPD schwierigen Zeit den Vorsitz in Grävenwiesbach übernommen. Aufgrund der kommunalen Entwicklung war die Lage bei uns besonders herausfordernd. Mittlerweile haben mich alle als Vorsitzenden akzeptiert. Es ist gelungen wieder ein starkes Team zusammen zu stellen. Die vertrauensvolle, unkomplizierte und sachorientierten Zusammenarbeit innerhalb der SPD macht aktuell richtig Spaß.

Wie sehen Sie die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien?

Was ich bei den anderen Parteien vermisse, ist der Blick über den eigenen Tellerrand. Für gute Politik vor Ort, braucht es den engen Austausch zwischen den Parteien aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Daher wünsche ich mir ein Ende der Mehrheit von CDU/FWG und stattdessen wechselnde Mehrheiten in der Gemeindevertretung. Das zwingt alle zu ergebnisoffener und lösungsorientierter Politik, nimmt aber auch alle Fraktionen in die Pflicht.

So einige SPD-Wahlthemen decken sich mit denen der Grünen. Wo liegt der Unterschied?

WADE: Bei der SPD steht der soziale Ausgleich in Verbindung mit konsequentem Umweltschutz im Mittelpunkt. Beim Beispiel Solar ist das gut erkennbar. Die Grünen fordern Solaranlagen auf öffentlichen Dächern. Wir fordern darüber hinaus eine kommunale Entwicklungsgesellschaft mit einer möglichen Beteiligung durch den Kreis, anderen Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern. So möchten wir, falls gewollt und falls sinnvoll, jedem Hauseigentümer ein Solarzellen-Angebot mit angepasstem Finanzierungsanteil in den nächsten fünf Jahren machen. Bisher wird Solartechnik in Grävenwiesbach schätzungsweise nur auf jedem fünften Dach genutzt. Da ist aber doch noch so viel Potential. Warum nutzten wir es nicht?

Sie sagen also, Ihr Klimaschutz ist besser und intensiver als der der Grünen?

WADE. Ja, die SPD hat in Grävenwiesbach das klimapolitisch ambitionierteste Programm. Es ist doch auch höchste Zeit, in Sachen Klimaschutz voranzugehen. Leider sind innovative Ideen oftmals schwer in der Gemeindevertretung zu vermitteln. Wir aber wollen den Klimaschutz effektiver und vor allem langfristig gestalten. Das heißt, den Bürger langfristig mitnehmen und ihn profitieren lassen, wie beim Beispiel Solaranlagen. Die SPD bringt die Klimafrage und die Soziale Frage zusammen.

Wie wichtig ist dabei die Bürgerbeteiligung?

WADE: Sehr, denn wir wollen die Floskel „Bürgerbeteiligung“ auch tatsächlich umsetzen. Deswegen möchten wir das „openDemokratie-Tool“ von „OpenPetition“ auf die gemeindliche Homepage setzen. Damit hat jeder Bürger die Möglichkeit per Petition auszudrücken, wo der Schuh drückt.

Beispiel Bürgerhaus, ein Thema, zu dem viele Grävenwiesbacher eine Meinung haben. Mit solch einem Tool könnte die Politik die Bürger besser mitnehmen.

Was versprechen die sich von der Mitarbeit in der Kreispolitik?

WADE: Der „Hintertaunus“ braucht Politiker im Kreis, die mit den Problematiken vor Ort vertraut sind. Ich möchte im Kreistag die Interessen Grävenwiesbachs vertreten und beispielsweise klarmachen, dass der Breitbandausbau in Grävenwiesbach genauso wie in Frankfurt verwirklicht werden muss, notfalls über die öffentliche Hand. Oder nehmen sie die Krankenhausproblematik: Aufgrund des Krankenhausstrukturgesetzes wird jede Menge Druck auf die Krankenhäuser des Hochtaunuskreises ausgeübt. Den Standort in Usingen können wir langfristig nur durch den Erhalt der Hochtaunuskliniken in öffentlicher Trägerschaft sichern. Das ist auch zentrale Position der Kreis-SPD. Für Grävenwiesbach aber besonders wichtig, da der Weg im Notfall bis nach Bad Homburg zu weit ist. Aber auch darüber hinaus ist für Grävenwiesbach eine starke SPD im Kreistag besonders wichtig.

Wie kommen Sie darauf, warum gerade für Grävenwiesbach?

WADE: Weil wir eine schwierige Sozialstruktur haben. Zum Beispiel ist die Kinderarmutsquote bei uns mit  ca. 10 % besonders hoch. Der Kreis ermöglicht durch einen ehrenamtlichen Ombudsmann gezielte Sozialberatungen und unterstützt bedürftige Familien z.B. mit einer Weihnachtsbeihilfe. Es handelt sich oft um Kleinigkeiten, die in der Summe aber großes Gewicht haben.

Zu einer Politik des sozialen Ausgleichs gehört darüber hinaus das Ganztags-Schulangebot weiter auszubauen. Hier würde ich mir noch mehr Hilfestellung von der Landesregierung wünsche. Wo es die Schulen wollen, sollte es konsequente Ganztagsangebote geben. Das entkoppelt den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft.

Für all das baucht es aber eine starke SPD.

Und wie sieht für Sie die Kreis-Klimaschutz-Politik aus?

WADE: Die Hochtaunus-SPD will einen konsequenten CO2-Reduktionsplan umsetzen. Das möchte ich unterstützen und auch Gruppen wir Fridays for Future mit einbinden

Was gefällt Ihnen derzeit nicht an der Kreispolitik?

WADE: Dass im Kreistag Faschisten sitzen und mitreden. Mir ist es sehr wichtig, diesen Leuten nicht nur auf der Straße, sondern auch im Parlament entgegenzutreten und Ihre menschenverachtenden Positionen zu bekämpfen.